
Welcher Ladestecker passt zu Ihrem E-Auto? Ein Überblick über alle Standards.
Typ 2: Der europäische Standard für Wechselstromladen
Der Typ-2-Stecker (auch «Mennekes-Stecker» genannt, nach dem deutschen Hersteller) ist der in der Schweiz und ganz Europa verbindliche Standard für das AC-Laden (Wechselstrom). Er verfügt über sieben Kontakte: drei Phasen (L1, L2, L3), Neutralleiter, Erde, Pilotkontakt (CP) für die Kommunikation und Proximity-Kontakt (PP) zur Steckererkennung. Die maximale Ladeleistung beträgt 43 kW (dreiphasig, 63 A) – in der Praxis laden Schweizer Heim-Wallboxen jedoch mit 11 kW (16 A) oder 22 kW (32 A).
Jedes in der Schweiz verkaufte Elektroauto besitzt mindestens einen Typ-2-Anschluss. Die Ladeleistung wird dabei vom schwächsten Glied in der Kette bestimmt: Wallbox, Ladekabel oder Onboard-Charger des Fahrzeugs. Ein VW ID.4 hat z. B. einen 11-kW-Onboard-Charger und lädt selbst an einer 22-kW-Wallbox nur mit 11 kW. Ein Renault Megane E-Tech hingegen akzeptiert die vollen 22 kW. Für die Kombination mit einer Solaranlage ist Typ 2 ideal, weil die Ladeleistung stufenlos zwischen 1,4 und 22 kW geregelt werden kann.
CCS Combo 2: Schnellladen mit Gleichstrom
Der CCS-Stecker (Combined Charging System) Combo 2 erweitert den Typ-2-Anschluss um zwei zusätzliche DC-Kontakte an der Unterseite. Damit werden Gleichstrom-Schnellladeleistungen von 50 bis 350 kW möglich – theoretisch sogar bis 500 kW in künftigen Versionen (Megawatt Charging System). An Schweizer Autobahn-Ladestationen von GOFAST, Ionity oder Fastned sind CCS-Schnelllader der Standard. Eine 80 %-Ladung dauert damit nur 20–40 Minuten.
Für die Heim-Wallbox ist CCS nicht relevant – DC-Ladegeräte kosten CHF 20’000–80’000 und benötigen einen eigenen Starkstromanschluss. Die einzige Ausnahme sind bidirektionale Wallboxen, die über CCS die Rückspeisung ermöglichen. Doch auch hier wird zunehmend die ISO-15118-Norm über den Typ-2-Anschluss bidirektionales Laden unterstützen. Im Alltag nutzen Schweizer E-Auto-Besitzer CCS nur unterwegs an Schnellladern und laden zu Hause über Typ 2.
CHAdeMO: Der japanische Standard im Auslaufmodell
CHAdeMO war der erste Schnellladestandard und wurde von japanischen Herstellern (Nissan, Mitsubishi, Toyota) entwickelt. In der Schweiz findet man noch rund 200 CHAdeMO-Ladepunkte, hauptsächlich neben CCS-Anschlüssen an älteren Schnellladestationen. Der Nissan Leaf und der Mitsubishi Outlander PHEV sind die letzten Fahrzeuge mit diesem Steckertyp auf dem Schweizer Markt.
Der grosse historische Vorteil von CHAdeMO: Es war der erste Standard, der bidirektionales Laden ermöglichte. Nissan Leaf-Besitzer konnten bereits ab 2015 ihren Fahrzeugakku als Hausspeicher nutzen. Mit dem Siegeszug von CCS in Europa und der bevorstehenden bidirektionalen Erweiterung des CCS-Standards läuft CHAdeMO jedoch aus. Für Neuinstallationen in der Schweiz spielt er keine Rolle mehr.
Tesla Supercharger und NACS
Tesla betreibt in der Schweiz über 80 Supercharger-Standorte. Während Tesla in Nordamerika den eigenen NACS-Standard durchgesetzt hat, nutzt Tesla in Europa und der Schweiz den CCS-Combo-2-Anschluss. Aktuelle Tesla Model 3 und Model Y haben einen CCS-Anschluss und laden an jeder öffentlichen CCS-Station. Zu Hause verwenden sie ein Typ-2-Ladekabel. Ältere Tesla Model S und X mit Typ-2-Ladeanschluss (ohne CCS) benötigen fürs Schnellladen einen CCS-Adapter (CHF 170–250).
Für Schweizer Tesla-Besitzer empfiehlt sich eine Wallbox mit Typ-2-Buchse und 11 kW Ladeleistung. Der Tesla Wall Connector ist eine Option (CHF 530), bietet allerdings keine PV-Überschussladefunktion. Besser geeignet sind Wallboxen wie die Easee Home oder der SMA EV Charger, die sowohl Solar-Integration als auch Smart Charging unterstützen.
Welches Kabel brauche ich?
Beim Ladekabel gibt es zwei Varianten: Typ-2-zu-Typ-2 (Mode 3) für öffentliche Ladestationen und das integrierte Kabel an der Heim-Wallbox. Für die Schweiz gelten folgende Empfehlungen:
- Kabellänge: 5–7 Meter für die Heim-Wallbox (erreicht bequem die Ladebuchse an jeder Fahrzeugseite). Für unterwegs: 5 Meter Typ-2-Kabel im Kofferraum mitführen.
- Querschnitt: 2,5 mm² für 16 A (11 kW), 6 mm² für 32 A (22 kW).
- Schutzklasse: IP54 (spritzwassergeschützt) für Wallboxen im Aussenbereich. Für den Winterbetrieb in Höhenlagen empfiehlt sich ein Kabel mit erhöhter Kälteflexibilität bis −30 °C.
- Kosten: Ein gutes Typ-2-Kabel (5 m, 22 kW) kostet CHF 180–350. Die meisten Wallboxen haben ein fest montiertes Kabel im Lieferumfang.
Welchen Steckertyp braucht mein Fahrzeug?
Die Faustregel für die Schweiz 2026 ist einfach: Jedes europäische E-Auto hat Typ 2 (AC) und CCS Combo 2 (DC). Alle Heim-Wallboxen nutzen Typ 2. Beim Kauf Ihrer Wallbox müssen Sie sich also keine Sorgen um den Steckertyp machen – Typ 2 ist universell. Achten Sie stattdessen auf die Ladeleistung (11 vs. 22 kW) und die Smart-Charging-Fähigkeit für die optimale Nutzung Ihres Solarstroms. Informieren Sie sich vorab bei Ihrem EVU über eventuelle Vorgaben – einige Schweizer Netzbetreiber haben eine Liste empfohlener Wallbox-Modelle.
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